Sensengruppe

Insekten - wir brauchen sie. Und was brauchen Insekten?

Die Biomasse der Fluginsekten seit 1989 ist mancherorts um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Nicht nur die Zahl der Arten, sondern auch die der Individuen befindet sich in einem dramatischen Sinkflug.

27 Jahre wurden Schutzgebiete untersucht – die Ergebnisse sind erschreckend: Mehr als 75 Prozent weniger Biomasse bei Fluginsekten. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob die Insektenwelt in Schwierigkeiten steckt, sondern wie das Insektensterben zu stoppen ist.

Der Entomologische Verein Krefeld beispielsweise hat zwischen 1989 und 2014 an 88 Standorten in ganz Nordrheinwestfalen Insektenfallen aufgestellt. Die Arten der darin gesammelten Fluginsekten wurden bestimmt, und die Masse aller Tiere gewogen. Die Ergebnisse sind deprimierend: «Während wir 1995 im Durchschnitt noch 1,6 Kilogramm aus den Untersuchungsfallen sammelten, sind wir heute froh, wenn es 300 Gramm sind», so der nordrhein-westfälische NABU-Landesvorsitzende Josef Tumbrinck. Alleine im Großraum Krefeld sind mehr als 60 Prozent der ursprünglich dort heimischen Hummelarten ausgestorben, in Düsseldorf sind es 58 Prozent der Tagfalterarten.

Die Ursachen dieses Rückgangs sind vielfältig: Neben der intensiven Bewirtschaftung von Feldern und Wiesen mit einem hohen Einsatz an Pestiziden mangelt es im Kulturland auch an Strukturen. Insektenfeindliche Mähmethoden oder das Mähen sämtlicher Flächen auf einmal oder zur falschen Zeit sowie der Abtransport mit Siloballen tragen zusätzlich zum Rückgang bei. Unter der intensiven Bewirtschaftung leiden nicht nur die Insekten, sondern auch Kleintiere wie Amphibien, Reptilien, Vögel und kleinere Säugetiere wie die Haselmaus. Im Wald fehlen die artenreichen Zerfallsphasen weitgehend, lichte Wälder sind selten. Im stark beschattenden gleichförmigen Wirtschafts-Hochwald hat es wenig Licht, weniger Krautschicht und daher auch weniger Insekten. Im Siedlungsraum schliesslich werden zu viele Böden versiegelt. Gärten enthalten weitgehend exotische Pflanzen, auf denen nur wenige Insektenarten leben können. An vielen Lampen verbrennen Insekten während der Nacht oder sie fliegen bis zur Erschöpfung.

Das hat gravierende Konsequenzen auch für uns Menschen: Insekten sind für eine ganze Anzahl an Ökosystemleistungen verantwortlich. Fehlen die Insekten, fallen auch diese Leistungen je länger je geringer aus:

  • Bestäubung: Sehr viele unserer Nutzpflanzen werden durch Insekten bestäubt. Je vielfältiger die Bestäuber, umso eher ist auch ihre Leistung gesichert.
      
  • Schädlingsregulation: In Brachen und Feldrandstreifen mit einer hohen Pflanzenvielfalt leben auch viele nützliche Insektenarten, welche für Kulturpflanzen schädliche Insekten fressen. Damit können letztere keine grossen Bestände entwickeln. Fallen nun die Nützlinge weg, so können die Schädlinge überhand nehmen.
      
  • Bodenfruchtbarkeit und Humusbildung: Viele Insekten, Mikroben und weitere wirbellose Tiere tragen zum Abbau von totem Pflanzenmaterial und toten Tieren bei. Damit geben sie Nährstoffe an den Boden zurück und tragen zur Humusbildung bei. Der Boden kann so auch mehr Wasser speichern. Mit dem Verlust dieser Tiere geht auch die Bodenqualität zurück.
      
  • Nahrungsgrundlage: Vögel, Fische, Amphibien und Reptilien ernähren sich von Insekten. Je geringer das Nahrungsangebot ist, umso werden auch die Insektenfresser beeinträchtigt. Ihnen fehlt die Nahrung für die Aufzucht ihrer Jungen.

Was brauchen Insekten? Strukturen im Kulturland wie Brachen, Blumenwiesen oder Ackerrandstreifen, Hecken und Feldgehölzen mit blütenreichen Säumen etc. ermöglichen es den bis heute verbliebenen Insektenarten genügend Nahrung zu finden und sich erfolgreich zu vermehren. Lesen Sie auch die Beiträge über Wildnisse und ökologische Resilienz.

Die Sensengruppe Zürich lenkt den Blick auf die vielfältigen kleinen Gäste in unseren Gärten und möchte möglichst viele Naturinteressierte dazu anregen, den arg gebeutelten Insekten mehr Lebensraum zu gewähren. Sie hat daher einen Insektenkalender konzipiert und produziert. Er kann für Fr. 20.- bestellt werden.

  

Bleiben Sie gesund und bleiben Sie verbunden
Ihre Regula Hug 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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